Hundetraining
Verhaltenstherapie für Hunde
Verhaltensberatung für
Mensch und Hund

Die Erwartungen an den Haushund sind extrem gestiegen. Wir erwarten einen verlässlichen Partner, der in allen Situationen funktioniert: leinenführig neben einem herläuft, „Sitz“, „Platz“ und „Bleib“ umgehend ausführt und sofort kommt, wenn man ihn ruft (Jessica Pierce, „Who’s a Good Dog? And how to be a better human“). Die logische Folge: dauerhaftes Training, um dem Idealbild eines „braven“ Hundes gerecht zu werden.

Doch genau in dieser Ausrichtung liegt oft schon der erste Konflikt. Denn lassen nicht die meisten Trainingskonzepte, Methoden und Pläne – wie sie in Hundeschulen, Vereinen oder im Alltag praktiziert werden – die eigentlichen Grundbedürfnisse des Hundes völlig außer Acht?

Eine kritische Bestandsaufnahme gängiger Trainingspraxis offenbart ein Paradoxon: Hundetypische Verhaltensweisen – wie ausgiebiges Schnüffeln und Markieren – werden oft als störend empfunden und unterdrückt. Im Gegenzug avancieren künstliche Verhaltensweisen wie „Sitz“, „Platz“ und „Fuß“ zum eigentlichen Gradmesser für einen „erzogenen“ Hund.

Die Verhaltensbiologie macht überdeutlich, wie komplex hündisches Verhalten tatsächlich ist. Erwartungshaltungen, Vorerfahrungen, Impulskontrolle und individuelle Wesenszüge formen die einzigartige Persönlichkeit jedes einzelnen Hundes. Soll das Wohl von Mensch und Hund wirklich im Mittelpunkt stehen, dürfen genau diese Aspekte – zusammen mit der Erfüllung seiner Grundbedürfnisse – im Training niemals außen vor bleiben.

Aber leider erfolgt die Beurteilung des Verhaltens eines Hundes, insbesondere dann, wenn dieses als auffällig, unerwünscht oder gar gefährlich angesehen wird, meist nur aus rein menschlicher Sicht. Problematisch wird es besonders dann, wenn menschliche Interpretationen wie Boshaftigkeit, Täuschung oder das Streben nach Dominanz dem Hund unterstellt werden.

Solche plastischen Aussagen sind weder geeignet, das Verhalten des Hundes in bestimmten Situationen zu erklären, noch können sie als Basis für ein verhaltensorientiertes Training dienen.

Dennoch stützen viele Hundetrainer/innen ihr Training auf Aussagen wie: „Der will mich nur beschützen“, „der zeigt mir den Stinkefinger“, „der will mich beherrschen …“

So habe ich es in der Praxis oft mit Hunden zu tun, deren angeblich „problematisches“ Verhalten nur darauf fußt, dass man Hundeverhalten im wahrsten Sinn einfach nicht „versteht“.

In der Verhaltensberatung nehmen Erziehungsthemen meist eine Schlüsselrolle ein. Allerdings existiert auf Halterseite häufig ein gravierender Denkfehler: Erziehen und Trainieren werden begrifflich wie praktisch gleichgesetzt.

Dabei gilt: Ein gehorsamer Hund ist keineswegs automatisch ein sozialisierter und gut erzogener Hund.

Erziehung vermittelt Orientierung und gesellschaftliche Leitlinien für den Alltag. Sie ist ein lebenslanger Prozess, der von der Welpenzeit über die Pubertät bis ins hohe Alter reicht. Dies gilt für Rassewelpen ebenso wie für Tierschutzhunde jeden Alters. Jeder Umzug in ein neues Zuhause zieht ein Rütteln an den bisherigen Sicherheiten nach sich; der Hund muss sich völlig neu orientieren. Umso wichtiger ist es, dass Halterinnen und Halter ein fundiertes Verständnis von echter Erziehungsarbeit entwickeln.